Geschichte der HSS
1834 - 1900
Von Zunftschulen zur Gewerbeschule
Die Anfänge des handwerklichen Schulwesens liegen im Dunkel des Mittelalters, der Zunft- und Städtezeit. Die Ausbildung des gewerblichen Nachwuchses war Sache der Zünfte; so gab es anfangs Zunftschulen, später auch Abend-, Sonntags- und Zeichenschulen, doch fehlte eine systematische Ausbildung. Kriege und Revolten, Merkantilismus, Entartung der Zünfte, Industrialisierung und Gewerbefreiheit stürzten im 19. Jahrhundert das traditionsgebundene Handwerk in eine lähmende Krise. Nur gute Bildungseinrichtungen für Meister und Nachwuchs konnten den Verfall aufhalten und das Handwerk gegenüber den Industriebetrieben wieder konkurrenzfähig machen. Aus diesem Grunde wurde von Staat und Gemeinden die Gewerbeschule gefordert. Das Berufs- und Fachschulwesen in unserem Lande wurde durch zwei Männer begründet: In Baden 1834 durch Staatsrat von Nebenius, in Württemberg 1853 durch Ferdinand von Steinbeis. Beide gingen davon aus, dass unser Land sehr wohl imstande sei, den technischen Vorsprung Englands, Frankreichs und der Schweiz einzuholen und sich am internationalen Wettbewerb zu behaupten, wenn es gelinge, “die von jeder Not zuerst und am häufigsten betroffenen, besitzlosen Handwerker technisch, geistig und sittlich zu bilden und sie wirtschaftlich zu heben.”
Die landesherrliche Verordnung vom 15. Mai 1834 ermöglichte in Baden die Errichtung von Gewerbeschulen in gewerbereichen Städten. Diese Schulart baut auf der Volksschule auf und läuft parallel zu den damals bereits bestehen den Fortbildungsschulen.
Am 16. Januar 1878 wurde das von der Stadtgemeinde Wiesloch dem Großherzoglichen Bezirksamt vorgelegte Ortstatut über die Errichtung einer Gewerbeschule einstimmig genehmigt. Unterstützt wurde dieses Begehren durch den Gemeinderat und besonders den Gewerbeverein Wiesloch. Die Stadt zählte damals 3.200 Einwohner.
Die neugegründete Schule wurde in dem 1873 errichteten Schulgebäude für die Volks- und Fortbildungsschule untergebracht. Dasselbe Gebäude nahm auch die 1877 errichtete Höhere Bürgerschule (die Vorläuferin des heutigen Gymnasiums) auf. Die Gewerbeschule unterstand der Aufsicht des Staates. Die örtliche Aufsicht oblag indessen dem Gewerbeschulrat unter Vorsitz des jeweiligen Bürgermeisters. Weitere Mitglieder waren der Schulvorstand, Vertreter des Gemeinderats, der Kirchen und der gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Schulträger war die Stadtgemeinde Wiesloch.
Als Unterrichtsziel wurden herausgestellt: Fachtheoretische Berufsausbildung, Förderung der Intelligenz, Charakterbildung. Förderung der technischen Geschicklichkeit und geschäftlichen Tüchtigkeit. Die Anfangsjahre waren sorge- und mühevoll. Die Arbeit der Gewerbeschule war in enge Grenzen verwiesen. Die Schülerzahl stieg von anfangs 30 Schülern bis zur Jahrhundertwende auf 90 Schüler der verschiedensten Berufe.
Alle Schüler wurden bis 1903 von einer Lehrkraft, die gleichzeitig Schulvorstand war, unterrichtet. Der Unterricht wurde außerhalb der betrieblichen Arbeitszeit früh am Morgen von 5.00 – 7.00 Uhr im Sommer bzw. 6.00 – 8.00 Uhr im Winter, spät am Abend von 20.00 – 22.00 Uhr und am Sonntag erteilt. 1884 verlangte z.B. das evangelisch-protestantische Pfarramt, dass der Sonntagsunterricht spätestens um 9.00 Uhr schließen müsste, damit die Schüler den Gottesdienst besuchen könnten.
Die Gewerbeschule war immer bestrebt, Mittelpunkt gewerblicher Bildungsveranstaltungen zu sein. Die Gewerbelehrer traten dem damaligen Gewerbeverein als Mitglieder bei, hielten Fachvorträge, führten Meistervorbereitungskurse durch und waren bei der Abnahme der Meisterprüfungen beteiligt. Die neue Schule veranstaltete alljährlich eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten und beteiligte sich 1898 an der über die Grenzen Wieslochs hinaus bedeutsamen Gewerbeausstellung.
1900 - 1918
Erstes eigenes Schulhaus, neue Fachbereiche, Erster Weltkrieg
Allmählich vergrößerte sich das Einzugsgebiet der Schule. Auch aus umliegenden Ortschaften besuchten immer mehr Jugendliche freiwillig die Schule. Jedoch kam es zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem Wandel: Die industrielle Produktion schritt immer stärker voran, sodass einige handwerklichen Berufe nicht mehr benötigt wurden. Viele Betriebe stellten sich um und neue Berufszweige entstanden.
Durch das Landesgesetz von 1904 (“Betreff den gewerblichen und kaufmännischen Unterricht”) und durch die Landesherrliche Verordnung von 1907 wurde der Grundstein für ein neuzeitliches Berufsschulwesen gelegt. Ihre wichtigsten Bestimmungen sind: Einführung des Tagesunterrichts, und zwar ganzjährig werktags in drei aufsteigenden Klassen mit mindestens sieben Wochenstunden Unterricht; die Anstellung hauptamtlicher, vom Staat bestellter Lehrer; die Errichtung einer Oberschulbehörde für das gesamte Gewerbe- und Handelsschulwesen. Aus der Schule der Handwerker wurde somit eine Bildungsstätte des handwerklichen-industriellen Nachwuchses. Der Wert der beruflichen Bildung wurde erkannt. In der steigenden Schülerzahl an der Gewerbeschule Wiesloch spiegelte sich der Strukturwandel und der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt und des südlichen Landkreises Heidelberg. Schulvorstand und einziger Lehrer war von 1907 an Gewerbelehrer Heinrich Mack, sein Nachfolger wurde 1911 Albrecht Maurus. Seit 1903 belegte die Gewerbeschule den rechten Flügel der Gerbersruh-Volksschule.
1907 wurde eine Handelsabteilung angegliedert, die 1921 selbständig wurde (die heutige Johann-Philipp-Bronner-Schule). 1908 hatte die Schule erstmals über 100 Schüler, davon 27 in der Handelsabteilung, die übrigen in 20 verschiedenen gewerblichen Berufen.
Im Jahre 1912 bezog die Gewerbeschule Wiesloch ihr erstes eigenes Heim, die jetzige Schillerschule.
Ab 1913 gab es erstmals auch eine Fachabteilung für Bäcker, Metzger und Friseure. Die Schülerzahl stieg auf nahezu 200. Auch weibliche gewerbliche Jugendliche besuchten nun die Schule, die drei hauptamtliche Lehrkräfte hatte. Als Bezirksgewerbeschule nahm sie auch auswärtige Lehrlinge als Nichtpflichtschüler auf.
Der erste Weltkrieg brachte Beschränkungen des Unterrichts, die Aufhebung der Fachabteilung für das Nahrungsgewerbe, die Einstellung der Kurse und die Mitbelegung der Schillerschule durch die Volksschule, da das Gerbersruhgebäude Lazarett wurde. Der Schulvorstand Maurus blieb bis zu seiner Versetzung 1917 als einziger Lehrer an der Schule. Sein Nachfolger wurde im gleichen Jahr Edgar Wolbert.
1918 - 1945
Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg, Entwicklungen im Dritten Reich
In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg litt die Schule unter Lehrermangel, und da die Schülerzahlen von Jahr zu Jahr stiegen (1925 hatte die Gewerbeschule über 300 Schüler), auch unter Raummangel. Die Schuleinrichtung hatte durch die Kriegsjahre gelitten, die Lehrmittelbeschaffung war durch den Währungsverfall unmöglich geworden. Nur langsam ging es aufwärts. 1925 fand erstmals wieder eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten und Gesellenstücken nach dem Krieg statt. Durch die Fachschulverordnung von 1925 gewann die Schule an Profil. Neben der Berufsausbildung trat im Sinne einer demokratischen Erziehung die Betonung der Allgemeinbildung. Die örtlichen Gremien verloren zum größten Teil ihren Einfluss auf die Schulverwaltung. Der Werkstattunterricht als Ergänzung der Meisterlehre wurde eingeführt. Der Vorstand der Schule, die jetzt sieben Lehrkräfte zählte, wurde 1926 zum Direktor ernannt. Nach dem Tod von Direktor Wolbert wurde 1929 Direktor Ernst Heyder neuer Leiter der Schule. Die Raumverhältnisse besserten sich durch den Wegzug der Volksschule.
Die Gewerbeschule hatte 1929 über 230 Schüler mit 30 verschiedenen Berufen. Der Weltwirtschaftskrise folgte ab 1930 ein Rückgang der Schüler- und Lehrerzahl. Besonders wichtig wurden die Kurse für Arbeitslose.
Im Dritten Reich ab 1933 wurde die Schule ihrer Aufgabe mehr und mehr entfremdet. Man forderte nationalsozialistisch geprägte Erziehung und Betätigung, Wehrertüchtigung, Luftfahrtlehrgänge und Segelflugzeugbau. 1935 wurde das Einzugsgebiet neu eingeteilt. Die 14 Gemeinden des Amtsbezirks Wiesloch und die Gemeinde Nußloch bildeten von jetzt an einen Gewerbeschulverband. Schulträger war der Gemeindeverband. Alle im Verbandsraum beschäftigten gewerblichen Lehrlinge mussten die Gewerbeschule drei Jahre lang besuchen. Die Schülerzahl wuchs auf 300; diese wurden von fünf Lehrkräften unterrichtet. Im Zuge obiger Maßnahmen wurde im selben Jahr die bis dahin bestehende Gewerbliche Fortbildungsschule Walldorf aufgehoben und die Schüler der Verbandsgewerbeschule Wiesloch zugewiesen.
1938 wurden die Kreise zu Trägern der Berufsschulen. Die Wieslocher Gewerbeschule wurde offiziell vom Landkreis Heidelberg übernommen, das Schillerhaus 1941 käuflich erworben.
1939 wurde im Zuge der Wiederaufnahme der Erzförderung im Wieslocher Zinkbergwerk eine Bergmännische Berufsschule als Abteilung der Gewerbeschule eingerichtet, die bis gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bestand. Der Krieg lähmte die Tätigkeit der Schule. Die Mehrheit der Lehrer und ein Teil der Schüler standen im Kriegseinsatz. Die Werkstätten wurden als Luftschutzräume genutzt oder mit Militär belegt. 1943 wurde das Wehrbezirkskommando Mannheim in das Schulgebäude verlegt. Der Unterricht wurde ab dem 10.1.1945 eingestellt und das Schulinventar in die Landwirtschaftsschule ausgelagert. Das Schillerschulhaus diente am Ende des Krieges als Aufnahmeheim für Vertriebene. Die politische Katastrophe hatte die Gewerbeschule stark betroffen.
1946 - 1968
Steigende Schülerzahlen, Bau eines Berufsschulzentrums
Trotz aller Schwierigkeiten wurde der Unterricht am 7. Januar 1946 in zwei Räumen der Landwirtschaftsschule mit den beiden Lehrkräften Laubenberger und Schwarz wieder aufgenommen. Die Schülerzahlen stiegen rasch, 1948 auf über 600 bei nunmehr vier Lehrkräften. Das im gleichen Jahr wiederbezogene Schillerschulhaus erwies sich für die steigenden Raumforderungen bald al zu klein. Im Mai 1953 betrug die Gesamtzahl aller Berufsschüler bereits mehr als 1.200. Dadurch fehlte es massiv an Lehrern und Räumen, sodass Werkstattunterricht kaum mehr möglich war. In der Enge des Schillerschulhauses drängten sich Gewerbe- und Handelsschule sowie Land- und Hauswirtschaftliche Berufsschule. Auf Initiative von Landrat Steinbrenner wurde vom Kreistag statt einer Erweiterung der Neubau einer Gewerbe- und Handelsschule beschlossen.
1956 stellte der Gemeinderat der Stadt Wiesloch dem Landkreis Heidelberg 4,5 ha Baugelände im Gewann “Obere Bohn”, im Anschluss an das Sportstadion, zur Verfügung. An Ostern 1959 konnte die neue Kreisberufsschule mit ihren modernen, zweckmäßigen und hellen Räumen bezogen werden. Im Oktober desselben Jahres fand die feierliche Einweihung des Berufsschulzentrums statt.
Ausreichende Werkstätten standen nun auch der praktischen Ausbildung zur Verfügung.
1968 - 1978
Strukturänderung, Einrichtung neuer Bildungswege
Durch den Schulentwicklungsplan II änderte sich 1968 die Struktur der Schule: Bau-, Holz-, Sanitär-, Heizungs-, Blechner- und Nahrungsberufe wurden zur Bildung von Fachklassen benachbarten Schulen zugewiesen. Die Schule wurde dadurch erheblich geschwächt. Lediglich Auszubildende des Metallhandwerks (Schlosser) wurden zum Blockunterricht aus dem Innungsbezirk Heidelberg als Ausgleich nach Wiesloch abgegeben. Im November 1972 verabschiedete sich Oberstudiendirektor Albert Schwarz, der die Schule seit 1953 geleitet hatte. Er übergab seinem Nachfolger, Oberstudiendirektor Eduard Hadek, die Schule mit 530 Berufsschülern, 50 Berufsfachschülern, 20 Telekollegschülern und 18 hauptamtlichen Lehrkräften.
Mit dem Beginn des Schuljahres 1973/74 wurde als weitere Ausbildungsmöglichkeit eine einjährige Berufsfachschule Fachrichtung Metall-Kfz und die DVS-Schweißkursstätte eingerichtet. 1976 bzw. 1977 folgten einjährige Berufsfachschulen für Friseur- und Textilberufe. Ebenso wurde die überbetriebliche Ausbildung der Schlosser an der Gewerbeschule Wiesloch einführt.
Seit 1977 werden durch die Verlagerung der gewerblichen Ausbildungsstätte der Heidelberger Druckmaschinen AG auch deren bis zu 340 Auszubildende an der Gewerbeschule Wiesloch unterrichtet.
Die Schülerzahl stieg damit auf 970 an.
1978 - 1988
100-Jahr-Feier, Erweiterungsbau, Namensgebung
Im Jahre 1978 feierte die Gewerbeschule ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Festakt am 4. November 1978 hielt Ministerialdirigent Alexander Götz, Leiter der Abteilung berufliche Bildung im Kultusministerium, die Festansprache.
Die Schule bot eine exzellente Modenschau und einen selbst erstellten Farbfilm.
Nachdem der Kreistag zwei Jahre vorher der Erweiterung der Werkstätten mit Sporthalle zugestimmt hatte, begannen die Rohbauarbeiten im Jahre 1979. Mit einem Aufwand von über 20 Millionen DM einschließlich Einrichtung wurde 1983 der Neubau mit Sporthalle in einem weiteren Festakt mit einem Tag der offenen Tür übergeben. Nachdem das Hauptgebäude im Innern saniert und 1986 die alten Werkstätten großzügig umgebaut waren, hatte die Gewerbeschule einen optimalen baulichen und räumlichen Zustand erreicht.
In den Jahren 1984/85 wurden die Orte Leimen und Sandhausen dem Einzugsgebiet Wiesloch zugeordnet. Nun waren 1070 Schüler und 49 Lehrer tätig. Die Metallabteilung erhielt eine zeitgemäße CNC-Ausstattung.
1988 wurde das einjährige zur Fachhochschulreife führende Berufskolleg Technik (BKFHT) eingerichtet. Im selben Jahr, am 28. Juni 1988, wurde in einer Feierstunde der Gewerbeschule Wiesloch der Name Hubert-Sternberg-Schule erteilt.
Damit wurde Hubert Sternberg, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG und früherer IHK-Präsident, zum Namensgeber der Schule.
1989 - 2000
Innere Reformen und technisch-organisatorische Entwicklung
Schulpartnerschaften mit Berufsschulen in Brandenburg, Coimbra-Aqueda und Malta wurden geschlossen und der Austausch intensiviert.
Als neue Schulart wurde 1997 die Zweijährige Berufsfachschule für Elektrotechnik eingerichtet und 1998 in der Berufsschule das neue Berufsfeld Informationstechnik mit dem Beruf ,,Fachinformatiker” installiert, was einen erheblichen Investitionsbedarf zur
Folge hatte. Für die informationstechnische Ausstattung (Netzwerktechnik, PCs
etc.) ergab sich ein Gesamtaufwand von ca. einer Million DM.
Auch im Werkstättenbereich und in den Labors wurden große Summen in moderne Geräte investiert u.a. CNC-Fräs- und Drehmaschinen, Frisurencomputer, CAD-Systeme für die Textilberufe und SPS-Steuerungen im Elektronikbereich.
Auch in der Führungsspitze hat es einen grundsätzlichen Wechsel gegeben: 2000 schied OStD Eduard Hadek nach 28 Jahren als Schulleiter aus und übergab der langjährigen Kollegin OStD’in Dorit Ohnesorge die Leitung.
2000 - 2008
Technisches Gymnasium, Schulband, Erweiterungen in Räumen und Technik, Schließung der Textilabteilung, 125-jähriges Jubiläum
Im Sommer 2001 wurde das das Technische Gymnasium an der Hubert-Sternberg-Schule eingeführt.
Diese neue Schulart entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem sehr beliebten Bildungsgang, der in drei Schuljahren zum höchsten Schulabschluss, der Allgemeinen Hochschulreife (Abitur), führt.
Eine Schülerband wird erstmalig gegründet und bereichert seitdem den Schulalltag, z.B. bei Abschlussfeiern und anderen Feierlichkeiten.
Neben dem Unterricht werden zudem auch intensive regionale Kontakte mit den dualen Ausbildungspartnern, in unterschiedlichen Projekten, gepflegt. Regelmäßige Treffen und Absprachen zwischen Lehrern und Ausbildern führen zu einer engen Verzahnung der schulischen und betrieblichen Ausbildung in allen Bereichen.
Parallel zur Einrichtung des Technischen Gymnasiums verläuft die Schließung der Textilabteilung. In 25 Jahren erhielten Schülerinnen und Schüler in der einjährigen Berufsfachschule die Grundlagen für den Beruf der Bekleidungs- bzw. Modeschneider/in und den Beruf der Damenschneider/in in Theorie und Praxis. In sehr gut ausgestatteten Werkstätten und mit anspruchsvollem CAD-Unterricht bei der Schnittkonstruktion wurde das wesentliche Rüstzeug vermittelt, das eine solide Basis für die weitere Ausbildung und spätere Weiterbildung zum Meister, Techniker oder Bekleidungsingenieur bot. Durch den Wegfall von Ausbildungsplätzen in der Region war die Schließung unumgänglich.
2002/2003 wurden die sogenannten “leisen Werkstätten” aufgestockt (Gebäude D), um hier auf einer Fläche von 1000 m² Klassenräume und Computerräume einzurichten.
Im Zuge der Erweiterungsbaumaßnahmen wurden 2003 die Textilwerkstätten zu Physik- und Chemieräumen umgebaut. Eine große Hilfe war die von der Dietmar-Hopp-Stiftung geleistete Spende von 50 Laptops, die über WLAN vernetzt in jedem Klassenzimmer für die IT-Berufe und das TGI genutzt wurden.
Zeitgleich zu den Baumaßnahmen wurden alle Schulgebäude vernetzt, so dass in jedem Klassenraum und in jeder Werkstatt Computer eingesetzt werden können.
Die HSS zählt mittlerweile 1.160 Schüler und Schülerinnen, jährlich werden in würdevollen, von Schülern und Lehrern gemeinsam gestalteten Abschlussfeiern mehr als 250 Prüflinge von der Schule verabschiedet.
Eine gefeierte Inszenierung bot die Schule zum 125-jährigen Bestehen im Jahre 2003. Eingebettet in eine futuristische Prüfungssituation stellten Schüler und Lehrer Szenen in der beruflichen Schule aus ferner Vergangenheit und der Gegenwart gegenüber. Oberschulamtspräsident Dr. Werner Schnatterbeck veranschaulichte in der Rolle des Oberlehrers den Unterricht und seine Ziele in der Gründungszeit der Schule, als Sonntagsschule im 19. Jahrhundert.
Mit einem “Baggerbiss” begannen am 28.07.2005 die Bauarbeiten für einen Erweiterungsbau. Landrat Dr. Jürgen Schütz ließ es sich nicht nehmen, mit einem Bagger den ersten Schritt für das vier Millionen Euro teure Projekt selbst in die Hand zu nehmen. 2008 konnte der Neubau C mit neuen Klassenzimmern, Computerräumen und einem neuen Verwaltungsbereich in Betrieb genommen werden.
Einen erneuten Führungswechsel gab es zum Ende des Schuljahres 2007/08. OStD’in Dorit Ernst verließ nach 35 Jahren, davon acht Jahre als Schulleiterin, die Hubert-Sternberg-Schule. Ihr Nachfolger wurde OStD Jürgen Becker, der zuvor schon viele Jahre als Abteilungsleiter an der HSS gewirkt hatte
2009-2019
Digitalisierung, Partnerschaft mit Taicang (China), TGU, 2BKI, Lernfabrik 4.0
Im Schuljahr 2009/10 wird mit 1.216 Schülerinnen und Schüler an der Hubert-Sternberg-Schule ein Allzeithoch erreicht; circa 450 von ihnen legten ihre Abschlussprüfung ab.
Zu weiteren Investitionen kam es im Bereich der Metallwerkstätten, wo für knapp 500.000 Euro unter anderem CNC-Anlagen, Dreh- und Fräsmaschinen angeschafft wurden.
Auch in der Friseurabteilung wurden die Weichen für die Zukunft gestellt; so bauten die Fachlehrkräfte der Abteilung ihre Fachräume zu modernen Kosmetik- bzw. Friseursalons um.
Das Jahr 2012 markierte den Startpunkt für die Schulpartnerschaft mit Taicang (China). Eine große Delegation aus China besuchte in diesem Zuge die HSS bzw. den Rhein-Neckar-Kreis. Auch in den folgenden Jahren kam es zu einem regen Austausch zwischen beiden Partnerschulen.
Im Technischen Gymnasium wurde im Jahr 2013 das neue Profilfach Umwelttechnik eingeführt und dafür das Profilfach Technik und Management abgegeben. Die Schülerinnen und Schüler, die sich für das Technische Gymnasium an der HSS anmelden, können nun aus den drei Profilen Informationstechnik, Mechatronik und Umwelttechnik ihren Schwerpunkt wählen.
Durch stark gestiegene Flüchtlingszahlen ergab sich 2015 ein akuter Bedarf an Vorbereitungsklassen für jugendliche Migranten. Auch an der HSS werden sogenannte VABO-Klassen (Vorbereitung Arbeit/Beruf, ohne Deutschkenntnisse) eingeführt. Das Erlernen der deutschen Sprache, aber auch Allgemeinbildung, berufliche Orientierung und Integration in die Gesellschaft sind zentrale Ziele dieser neuen Schulart. Viele Lehrer der HSS engagieren sich bei dieser neuen Aufgabe.
Durch die rasant steigenden Flüchtlingszahlen kam es zudem zu einer außergewöhnlichen Maßnahme. Die Sporthalle des Berufsschulzentrums wurde im Jahr 2015 als Flüchtlingsunterkunft benötigt. Anfangs lebten 140 Flüchtlinge, vorwiegend aus Afghanistan, Syrien und Eritrea in der Sporthalle. Im Laufe des Schuljahres 2015/16 stieg die Zahl auf 240 Flüchtlinge an. Der Sportunterricht wurde für viele Monate in eine Soccer-Halle in Wiesloch verlegt.
Zum Schuljahr 2016/17 wurde eine weitere Schulart, das Zweijährige Berufskolleg Informationstechnik (2BKI), eingeführt. Diese Schulart richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die über einen Mittleren Bildungsabschluss verfügen und Interesse an informationstechnischen Themen haben. Nach zwei Schuljahren können gleich zwei Abschlussziele erreicht werden: ein Berufsabschluss zum staatlich geprüften informationstechnischen Assistenten und die Fachhochschulreife, welche zum Studium an Hochschulen berechtigt.
2017 wurde eine hochmoderne Lernfabrik nach neuestem Industriestandard eröffnet. Sie wurde durch Mittel in Höhe von circa 1,5 Millionen Euro realisiert. Sowohl die Landesförderung als auch der Rhein-Neckar-Kreis und Spenden aus der Industrie finanzierten dieses Projekt. Initiator und unermüdlicher Antragsteller ist Abteilungsleiter Klaus Heeger. Die Lernfabrik 4.0 gilt als hochmoderner Lernort, der u. a. folgende Grundbausteine enthält:
- Ein Grundlagen-Labor zu digital gesteuerten Produktionsmodulen, in dem Standard-Aufgaben einer industriellen Fertigung wie Sortieren, Verteilen oder Prüfen und die dazugehörigen Fertigkeiten zu Programmierung, Mess-Steuer- Regelkreisen, Anbindung von Einzelmodulen an industrielle Netzwerke etc. vermittelt werden.
- Ein verkettetes Maschinensystem, an dem intelligente Produktionsprozesse auf der Basis realer Industriestandards trainiert und vernetzte Abläufe selbst gesteuert werden können.
- Ein pädagogisches Konzept, das den Einsatz der Lernfabrik 4.0 in der dualen Ausbildung zu thematisch betroffenen Berufsbildern und der Weiterbildung in Fachschulen und anderen Lehrgängen vorsieht.
Die innovative Strahlkraft der Lernfabrik 4.0 führte dazu, dass in den folgenden Jahren viele Besucher an die HSS kamen und die Lernfabrik begutachteten, unter anderem koreanische Lehrer und Schüler, Delegationen aus Taicang (China), IHK-Ausbilder und viele Firmenvertreter aus der Wirtschaft.
Zum Ende des Schuljahres 2017/18 wurde der langjährige Schulleiter Jürgen Becker in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolger wurde Klaus Heeger, der bereits viele Jahre als Abteilungsleiter an der Schule gewirkt und maßgeblich an der Umsetzung der Lernfabrik 4.0 mitgewirkt hatte.
2020 - heute
Covid-Pandemie, Digitale Bildung, AgilDrive-Projekt, Elektromobilität, Erasmus+
Ein Ereignis von historischem Ausmaß hatte auch für die Hubert-Sternberg-Schule massive Auswirkungen – die Covid-Pandemie. Im Jahr 2020 mussten über viele Monate hinweg kreative Lösungen zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs gefunden werden. Am 16.03.2020 kam es zu einem sogenannten „Lockdown“, die Schule musste für Präsenzunterricht vorübergehend geschlossen werden, um Infektionen bzw. Ansteckungen in der Schule zu verhindern. Die wochenlange Schließung für Präsenzunterricht konnte jedoch durch digitalen Unterricht relativ gut kompensiert werden, da die HSS bereits in den Jahren zuvor die technischen bzw. digitalen Voraussetzungen geschaffen hatte. Im Mai durften die ersten Schülerinnen und Schüler unter Auflagen an die Schule zurückkehren. Fortan mussten Masken über Nase und Mund getragen, Abstandsregelungen eingehalten, Desinfektionsmittel genutzt und regelmäßige Testungen durchgeführt werden. Klassen wurden geteilt, um kleinere Gruppen in den Klassenzimmern zu erreichen und damit das Infektionsrisiko zu minimieren. In der Folge kam es im Zuge des von der Politik beschlossenen Digitalpakts zu einer massiven Aufstockung von digitalen Endgeräten. Alle Schülerinnen und Schüler des Zweijährigen Berufskollegs und der Zweijährigen Berufsfachschule wurden nun auch mit Tablets ausgestattet. Die Lehrkräfte bildeten sich stark in digitaler Bildung fort, um den neuen Anforderungen noch besser gerecht werden zu können. Als es im Dezember zu einem zweiten Lockdown kam, profitierte die Schule von diesen Vorkehrungen, ebenso 2021. Erst am 22.02.2021 wurde wieder Präsenzunterricht, jedoch nur für Abschlussklassen, erlaubt. Online-Unterricht war in den anderen Klassen zum Alltag geworden. Viele Aktivitäten des Schullebens, wie zum Beispiel Exkursionen, Schnuppertage, Feierlichkeiten, Projekttage etc. fielen jedoch durch die Pandemie für einen Zeitraum von circa zwei Jahren weitestgehend weg.
Zum Schuljahr 2022/23 war endlich wieder „normaler“ Unterricht, ohne Corona-Auflagen, möglich.
Passend zu dieser stark digital geprägten Zeit war der Startschuss zum Auftritt der HSS in Sozialen Medien im Jahr 2021. Seitdem verfügt die Schule über einen eigenen Instagram-Account, der regelmäßig aktuelle Informationen zu Schule liefert und von Lehrern und einigen Schülerinnen und Schülern in einer Arbeitsgemeinschaft betrieben wird.
Die Digitalisierung schritt auch mit dem interdisziplinären Projekt AgilDrive an der HSS weiter voran. Bei diesem Projekt, das im Kontext der Lernfabrik 4.0 steht, erhalten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ausbildungsberufen die Möglichkeit, in einem fiktiven Unternehmen als Mitarbeiter zu arbeiten. In Kooperation mit anderen Fachbereichen – Fachinformatiker, Elektroniker und Industriemechaniker müssen vernetzt agieren – und dualen Partnern wird interdisziplinär an einer gemeinsamen Problemstellung bzw. Aufgabe gearbeitet und gelernt. Das über viele Jahre angelegte Projekt AgilDrive wurde im Schuljahr 2022/23 vom Zentralverband der Elektro- und Digitalindustrie ausgezeichnet. Das preisgekrönte Projekt wurde auf der Hannovermesse präsentiert, womit die HSS mal wieder überregionale Bekanntheit erlangte.
Auch in der Kraftfahrzeug-Abteilung kam es zu signifikanten Veränderungen. Die Einrichtung eines Elektro-Mobilitätslabors und diverse Schulungen im Bereich Hochvolttechnik waren Vorboten für den avisierten Wandel hin zu mehr Elektromobilität in der Fahrzeugtechnik.
Im Juli 2022 ereignete sich abermals ein Wechsel in der Führung der HSS. Oberstudiendirektor Klaus Heeger verabschiedete sich nach vier intensiven Jahren als Schulleiter in den Ruhestand. Nachfolger wurde Andreas Herrmannspahn, der zuvor stellvertretender Schulleiter in Heidelberg gewesen war.
Die Zertifizierung für das EU-Projekt Erasmus+ war das Ergebnis mehrerer Monate Vorbereitung einiger Lehrkräfte an der HSS im Schuljahr 2023/24. Seitdem ist es möglich, an vielfältigen Austauschoptionen mit anderen Schulen der Europäischen Union teilzunehmen. Somit sind diverse Schüler- und Lehrer-Mobilitäten im Ausland möglich; bisher sind zum Beispiel Schüler zu Partnerbetrieben in den Niederlanden gefahren oder Lehrkräfte zum Jobshadowing in Estland.
