Gemeinsam lernen im Klassenraum: Lang ist’s her. Aber dank sehr guter technischer Ausstattung kann der Unterricht derzeit von zu Hause aus stattfinden.

 

Morgens um 07:35 Uhr irgendwo bei Wiesloch. Die Lehrkraft wirft einen letzten Kontrollblick in den Badezimmerspiegel. In einer Viertelstunde beginnt der Unterricht. Unterricht? In Zeiten von Corona? Eine Videokonferenz steht an. Mit einer Klasse des Technischen Gymnasiums. Und da gilt, was früher auch bei Tagesschausprechern galt: von der Hüfte aufwärts tadellos.

Wie ist das denn nun mit dem Unterricht daheim? Sammeln wir Eindrücke von der Hubert-Sternberg-Schule (HSS) in Wiesloch. Eine Schule mit derzeit über 1000 Standorten.

Eine Mutter schrieb: „Schön, dass mein Sohn weiter gut betreut wird. Und feste Zeiten helfen beim Aufstehen. Aber neuerdings schaut seine ganze Klasse in mein Esszimmer!“

Alle Schüler und Schülerinnen des Technischen Gymnasiums haben von der Schule Tablets. Das ist das ganze Jahr so. Seit 2017 ist die HSS beim landesweiten Schulversuch dabei: „tabletBS – Einsatz von Tablets im Unterricht an Beruflichen Schulen“. Dies eröffnet neue Chancen des erfolgreichen Unterrichtens; aktuell eröffnet es Chancen, dass Unterricht überhaupt stattfindet.

Die Schüler des zweijährigen Berufskollegs für Informations- und Kommunikationstechnik haben jetzt Inhalt und Form im täglichen Daten-Paket. Damit den Fachinformatikern der Heim-Unterricht auffällt, müssten sie allerdings, so wird gescherzt, den Blick auch mal kurz vom Bildschirm wenden. Ungewohnter ist es sicher für die Zweijährige Berufsfachschule für Elektrotechnik und für Metalltechnik oder die Friseur-Azubis. Sie arbeiten jetzt nicht nur in Gruppen, sondern auch in „Teams“. Das ist eine App aus dem Paket von Microsofts Office365 for education, über die Gespräche in Video- oder Audio-Konferenzen geführt oder in Chats getippt werden, Arbeitsblätter ausgegeben, eingesammelt und kommentiert werden. Was Unterricht so braucht. Manche Klassen entdecken gerade die digitale Lernwelt. Andere nutzen routiniert, was sie sich die letzten Monate angeeignet haben.

Wie Schulen in Baden-Württemberg diese Möglichkeiten nutzen dürfen, dazu war wenig Klares zu hören vom Kultusministerium in den letzten Jahren. In der Not verweist man auf die Chancen. Vielleicht bleibt hier ja etwas Gutes, wenn die Krise geht.

Was bleibt noch? Die Freude am echten Zusammensein in einem Raum? Wird das lebendige Miteinander mit allen Sinnen wieder geschätzt? Bewahren sich die Schüler die Erfahrung, dass Sie Lehrer für mehr brauchen als für Erklärungen, Aufgabenstellung und Bewertung? Wie nutzen Lehrer die Erkenntnis, dass Schüler manchmal überraschend eigenständig sind und ihr Lernen selbst gut steuern?

Keiner weiß, wann alle wieder im Schulhaus zusammenkommen. Erst dann wird man wohl ganz erfahren, was wie gut funktioniert hat. Bleiben die mit der geringeren Selbstdisziplin auf der Stecke? Diejenigen mit der geringeren Unterstützung in der Familie?

Noch reicht es, wenn die Frisur sitzt um 07:35 Uhr. Bald muss der Lernstoff sitzen.

Bis dahin werden, wie an anderen Schulen auch, die Lehrer*innen der Hubert-Sternberg-Schule ihre Fern-Unterrichtswege mit den Klassen und im Kollegium evaluieren, Verbesserungen vornehmen und das tun, was sie auch von den Schüler*innen erwarten: Ihr Bestes geben.

Haben Sie Zweifel? Vernehmen Sie die Zeichen! Der Knall in der Nachbarschaft: Eine Physik- oder Chemie-Lehrerin beim Tele-Unterricht. Oder testen Sie den Bildungsnachwuchs: Sie erkennen den Fleiß – gesundheitsbewusst aus zwei Metern Abstand – an den viereckigen Augen.

 

Erstellt am 09.04.2020 von Barbara Hilber, Kategorie(n): Uncategorized