WIESLOCH (hi) Der Arbeitnehmerverband Südwestmetall hatte Ausbilder und Experten von verschiedenen dualen Ausbildungsfirmen Mitte März zu einem Workshop zum Thema „Digitaler Wandel“ in die Lernfabrik 4.0 der Hubert-Sternberg-Schule eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, die Lernortkooperationen zwischen der Schule und den Betrieben zu konkretisieren und die in der Ausbildung tätigen Personen im digitalen Wandel zu vernetzen und weiterqualifizieren.

In der Produktion ist das Internet von zentraler Bedeutung. Bei Bestellungen ist es heute notwendig die Stückzahl zwischen mehreren Tausend und Eins variieren zu können, individuelle und speziell für den Kunden konfigurierte Produkte werden heute gefordert. Dabei kommt der Kommunikation zwischen allen Beteiligten eine enorme Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund stellte Herr Michael Schmitt vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) das Konzept der verschiedenen Lernfabriken in Baden-Württemberg vor und führte aus, wie das Kultusministerium mit Lehrerfortbildungen darauf reagiert.

Umsetzung im Unterricht

Wie sich das konkret in den Unterricht umsetzen lässt, erfuhren die Teilnehmer beim Besuch in der sogenannten Cyber Physical Factory (CPF), wo verschiedene Projekte zur Lernortkooperation mit unterschiedlichen Firmen vorgestellt wurden. Frau Wellenreuther, Wirtschaftskunde-Lehrerin der HSS, demonstrierte mit einer Gruppe Auszubildender, wie in der Lernfabrik mittels einer ERP-Software von SAP Bestellungen angelegt werden und deren Produktionsprozess gestartet wird. Die Auszubildenden zeigten danach eindrucksvoll, wie es mit der SAP-Software möglich ist, die Produktionsdaten, die Fertigungszeiten, die Stücklisten, die Kosten usw. in Echtzeit zu überwachen. Die Schüler bestätigten, dass viele Geschäftsprozesse in ihrer Ausbildung nun in diesem praxisorientierten Unterricht leichter verständlich werden.

Auch problemanalysierendes Denken und Verständnis für komplexe Prozessabläufe in einer vollautomatisierten Fertigung lassen sich bereits ab den ersten Ausbildungstagen in der Lernfabrik 4.0 vermitteln. Die Lehrer Herr König und Herr Egolf stellten den Workshopteilnehmern vor, wie sie in einer Lernortkooperation zusammen mit Ausbildern der HDM und Pepperl+Fuchs mit den angehenden Elektronikern gleich zum Start ihrer Ausbildung komplexe Fertigungsabläufe analysieren und beschreiben. Diese Unterrichtsform wurde von der Hochschule in Mannheim wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Herr Roll stellte kurz seine sehr positiven Erkenntnisse vor.

In anderen Schülerprojekten lernten die Fachinformatikern Betriebsdaten zu erfassen, zu visualisieren und in Datenbanken weiter zu verarbeiten. Die Abrufbarkeit im Internet wurde als selbstverständlich dargestellt. Die anwesenden Firmenvertreter lobten hier den großen Bezug zur heutigen Realität in der Industrie.

Wenn große Teile der Betriebsprozesse über das Internet abgerufen werden können bzw. gesteuert werden, ist der Datenschutz und die Datensicherheit von zentraler Bedeutung. Fachleiter Jürgen Mertens stellte Möglichkeiten vor, wie man eine weltweit vernetzte Produktionsanlage gegen Cyberangriffe und Spionage schützen kann. Mit der Industrie 4.0-Anlage in der Lernfabrik sind IT-Auszubildende in der Lage, viele Szenarien realitätsnah zu testen und zu üben. In Zukunft möchte man auch den dualen Partnern die Möglichkeit geben, an dieser komplexen Anlage Auszubildende und Mitarbeiter zu trainieren.

“Leuchtturmfunktion”

Markus Singler vom Verband Südwestmetall stellte heraus, dass die HSS in ihrer Arbeitsweise und ihrer Lernortkooperation in Baden-Württemberg „eine Leuchtturmfunktion“ einnimmt: „Immer, wenn man in diese Schule kommt, bekommt man neue und interessante Projekte vorgestellt.“

Auch Dr. Alexander Brodde von der IHK Rhein-Neckar zeigte sich von den Projekten so beeindruckt, dass er eine gemeinsame Veranstaltung der Lernfabrik 4.0 des Rhein-Neckar-Kreises und der IHK Rhein-Neckar Ende Oktober ankündigte. Denn auch er möchte, dass möglichst viele IHK-Betriebe in diesem Bereich die Gelegenheit erhalten, vom Knowhow der Schule zu profitieren.

Die Betriebsvertreter, die Lehrer und Kammervertreter vereinbarten, solche Workshops zum Austausch von Lernkonzepten und technischen Knowhow regelmäßig in der Hubert-Sternberg-Schule zu veranstalten.

Erstellt am 27.03.2020 von Barbara Hilber, Kategorie(n): Uncategorized