„Jungfrau ohne Paradies“ – Ein Theaterstück gegen Radikalisierung junger Menschen im Berufsschulzentrum Wiesloch

Wieso wird jemand von einem begabten Rapper zu einem fanatischen Anhänger des Islam? Und wie kann man diese Person davon abhalten, in den „heiligen Krieg“ nach Syrien zu ziehen?

Mit ihrem Theaterstück „Jungfrau ohne Paradies“ versuchte das Künstlernetzwerk "New Limes und WIR! e.V." Mannheim, unterstützt von der Kriminalprävention Rhein-Neckar, diese Fragen zu beantworten. Dass das nicht ganz so einfach ist, zeigten die Schauspieler Levent Özdil (links) als Cem und Simon Rossa als Paul.

Das Stück beginnt mit einer Rap-Party. Paul möchte ein berühmter Rapper werden, sein Freund Cem macht für ihn den Einheizer. Der Erfolg will sich allerdings nicht so recht einstellen, und Paul sieht sich zunehmend als Verlierer, fühlt sich ausgegrenzt, sucht nach einem Sinn in seinem Leben. Mit seinen Problemen findet er bei einem religiösen Fanatiker ein offenes Ohr, und lässt sich schnell für die radikal-islamischen Ideen begeistern.

Pauls Freundin Johanna, die mit ihrer Theatergruppe Schillers „Jungfrau von Orleans“ probt und immer wieder Parallelen zieht, hält zu Paul und unterstützt ihn ein Stück weit, indem sie sich ebenfalls in die Rolle der kriegerischen Heldin hinein steigert, sich ein Kopftuch kauft und sich anders kleidet. Das geschieht unter anderem aus Auflehnung gegen ihr bürgerliches Elternhaus.

Pauls bester Freund Cem hält von der fanatischen religiösen Schwanz-Weiß-Malerei so gar nichts. Er steht auf dem Standpunkt, dass man mit harter Arbeit auch etwas aus sich machen und Erfolg haben kann, wenn die Voraussetzungen nicht allzu günstig dafür sind.

Schon bald geraten die Freunde auf der Bühne in eine hitzige Diskussion über religiösen Fanatismus. Auch die Zuschauer wurden in diesen Streit einbezogen und zu Stellungnahmen aufgefordert. Zunächst eher zögerlich, später mutiger und teilweise sehr persönlich versuchten sie, Paul mit Argumenten davon abzuhalten, nach Syrien in den „heiligen Krieg“ gegen „Ungläubige“ zu ziehen und zum Mörder an seinen Mitmenschen zu werden. Das Ende entscheiden die Schüler selbst: Sind ihre Argumente stark genug gegen jemanden, der fest entschlossen ist, sein persönliches Glück in einer anderen Gesellschaft zu finden? Können sie ihn von dieser Einbahnstraße zurückhalten? Zerreißt er das Ticket nach Syrien?

Zweimal wurde das Stück gespielt – einmal für die Schülerinnen und Schüler der Hubert-Sternberg-Schule, einmal für die der Louise Otto-Peter-Schule. Einen Teil der Kosten übernahm dabei das Demokratiezentrum Baden-Württemberg.

In einer kurzen Nachbesprechung durch das Referat Kriminalprävention der Polizei Rhein-Neckar wurden die Schüler erneut darauf hingewiesen, dass eine Radikalisierung relativ schnell erfolgen kann und dass der Weg zurück sehr mühsam ist. Sie wurden ermahnt, die Augen offen zu halten.

Erstellt am 21.07.2017 von Holger Ruhl, Kategorie(n): Events