07 | 09 | 2010
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 Lernortkooperation
– Betrieb und Berufsschule arbeiten Hand in Hand

Die duale Berufsausbildung beruht auf den zwei Säulen der betrieblichen und schulischen Ausbildung. Beide Lernorte, Schule und Betrieb, befinden sich gegenwärtig in einem Wandel; neue und neu geordnete Ausbildungsberufe orientieren sich stärker an Geschäfts- und Arbeitsprozessen und erfordern praxisbezogene ganzheitliche Lehr- und Lernmethoden, die sich in lernfeldorientierten Stoffplänen wieder spiegeln.
Diese neuen Berufsbilder bilden Ausgangspunkt und Richtschnur der beruflichen Bildung mit veränderten Qualifikationsanforderungen. Um die erweiterte berufliche Handlungskompetenz umsetzen zu können, muss ein intensives Zusammenwirken der am dualen System der Berufsausbildung beteiligten Lernorte vorausgesetzt werden. Als Beispiel hierfür sei schon eine auf eine lange Tradition beruhende Lernortkooperation zwischen der Hubert-Sternberg-Schule und der Heidelberger Druckmaschinen AG genannt.

Um die bestehende Kooperation zwischen Ausbildern und Lehrern zu intensivieren und zu verstetigen wurde im Schuljahr 2000/01 mit dem BLK (Bund-Länder-Kommission) Modellversuch INTRALOK begonnen.



INTRALOK steht für: „Innovationstransfer in der Lernortkooperation“. 
Hierbei sollen Bedingungen für die Intensivierung und Verstetigung von Lernortkooperationen aufgezeigt werden. Eingebunden in diesen Modellversuch sind die Industriemechaniker der Heidelberger Druckmaschinen AG, Fachinformatiker von SAP und weiteren IT-Betrieben und  Kraftfahrzeugmechaniker aus überwiegend Kleinbetrieben des Kraftfahrzeughandwerks unter Mitwirkung des BTZ (Berufsbildungs- und Technologiezentrum) der Handwerkskammer Mannheim. Außerdem soll durch die Schule eine geeignete Informations- und Kommunikationsplattform eingerichtet werden.
Die wissenschaftliche Begleitung obliegt dem Lehrstuhl für Berufspädagogik der Universität Dortmund unter der Leitung von Prof. Pätzold.
Der Modellversuch wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 
 

  Um den Aspekt des selbstgesteuerten und selbstorganisierten Lernens in der Industriemechanikerausbildung zu intensivieren, wurde innerhalb der Kooperation die Idee entwickelt, den gesamten Lehr-/Lernprozess an der Vielzweckmaschine durch ein Selbstlernprogramm zu unterstützen und das für die Demontage und Montage erforderliche Wissen und die notwendigen Inhalte multimedial aufzubereiten.

 

Bei der Vielzweckmaschine handelt es sich um eine Universal-Dreh-, Fräs- und Bohrmaschine. Zur Durchführung des Projekts wurden der Hubert-Sternberg-Schule sechs Maschinen und die notwendigen Montage- und Demontagewerkzeuge, Mess- und Prüfeinrichtungen von der Heidelberger Druckmaschinen AG für den fachpraktischen Unterricht im Technologiepraktikum zur Verfügung gestellt.
An der Vielzweckmaschine werden grundlegende Montage- und Demontagetätigkeiten anhand von vier Modulen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad bearbeitet. Dies geschieht vorrangig mit Hilfe des von der Schule erstellten Lernprogramms „eLearning@Vielzweckmaschine und erfolgt selbstorganisiert und in Teamarbeit. Zur Evaluierung der erworbenen Handlungskompetenz wurden Selbst- und Fremdeinschätzungsbögen entwickelt und eingesetzt.
 


Informationstechnik Die Lernortkooperation spielt bei den Fachinformatikern der HSS eine große Rolle. Die war ein  wesentlicher Grund sich an der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes „Intralok“ zu beteiligen. Das Ziel einer optimalen Ausbildung unter Einbindung beider Dualpartner bildet die zentrale Säule. Innerhalb der Lernortkooperation werden Kontaktpflege, turnusmäßige Veranstaltungen, sowie gemeinsame Projekte durchgeführt. Die Projekte werden auf die 3 Lehrjahre unter Beachtung der Lehrpläne verteilt.

 

Das 1.Ausbildungsjahr beginnt mit den Projekten „Office-Paket“ und „Html“. Die Angleichung unterschiedlicher Ausgangsvoraussetzungen der Schüler bestimmt hier das Handeln. Im Projekt ISDN werden die Schüler mit den Grundlagen des Projektmanagements und im Umgang mit Methoden geschult. Den Abschluss bildet das Projekt „PC-Komponenten“.  Die Auszubildenden haben die Aufgabe vom Kundenauftrag bis zur Auslieferung der Ware alle technischen und betriebswirtschaftlichen Prozesse selbst zu planen und auszuführen.    

Kraftfahrzeugmechaniker
Im Ausbildungsberuf Kraftfahrzeugmechaniker/in sollen in der Ausbildung über fachliche Belange hinaus Sozialkompetenz, Methoden-, Lern- und Kommunikative Kompetenz vermittelt werden. Diese Fähigkeiten sind im dienstleistungsbezogenen Handwerk auch in bisherigen Lernplänen und Ausbildungsverordnungen schon gefordert worden – allerdings erfordert die sich ändernde Arbeitswelt eine intensivere Beachtung dieser Bereiche. Herausforderungen der beruflichen Wirklichkeit, und daran werden sich die neuen lernfeldorientierten Lernpläne ausrichten, sind die Fähigkeiten berufbezogene Aufgaben selbstständig zu bearbeiten, im Team verschiedene Lösungsmöglichkeiten der Probleme und Schadensfälle des Kunden zu erarbeiten, dabei die Wissensdatenbanken des Fahrzeugherstellers nutzen und die Möglichkeiten und Lösungswege unter technisch-wirtschaftlichen Aspekten zu beurteilen.



In Zusammenarbeit mit den Betrieben des Kraftfahrzeughandwerks unseres Schulbezirkes und dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Mannheim (BTZ) wurde am BTZ das Projekt Zylinderkopf, Montage und Instandsetzung mit einer Klasse des zweiten Ausbildungsjahres durchgeführt. Aufbau und Funktionsweise moderner Ottomotoren wurde so deutlich und begreifbar.

Danach folgte ein mehrtägiges Projekt mit Betriebsbesichtigung, Schülererkundungen und Vorträgen der Auszubildenden zum Thema Airbag. Durch die gute Zusammenarbeit mit der Fa. TRW dem weltgrößten Hersteller dieser Sicherheitstechnologie war es möglich den Auszubildenden des Handwerks Einblick in die industriellen Abläufe und deren Methoden zu geben. Im weiteren konnten die Auszubildenden Testläufe am Airbagsystem erleben und die unterschiedlichen Systeme kennen lernen. Ein modernes Kraftfahrzeug verfügt immerhin über bis zu acht verschiedene Airbagsysteme. Aufgrund des guten Erfolges und der Resonanz aus den Betrieben wurden diese Projekttage verstetigt.
Intralok Consult (ic)
Gleich zu Beginn des Modellversuchs wurde das virtuelle Unternehmen „Intralok Consult“ im Wirtschaftskunde-Unterricht der Industriemechanikerklassen und im BWL-Unterricht der Fachinformatikerklassen gegründet.Intralok Consult ist Unterrichtskonzept, pädagogisches und didaktisches Handlungsfeld und realer Umsetzungsrahmen für betriebswirtschaftliche und informationstechnische Problemstellungen. Kerngeschäfte der virtuellen Unternehmung sind die Erstellung und die Bereitstellung von Schulungsunterlagen über das Internet. Dabei steht im Vordergrund, dass Auszubildende Rollen in diesem Unternehmen verantwortlich übernehmen, um das Spannungsverhältnis von Entscheidungen und deren Auswirkungen in einer relativ realen Situation abzubilden. Intralok Consult soll als Prozess verstanden werden, der Unterrichtsinformationseinheiten und betriebswirtschaftswirtschaftliches Management miteinander verbindet und den Schülern im Rahmen Ihres Interaktionsfeldes die Möglichkeit bietet, unternehmerische Entscheidungen zu treffen und deren Wirkungen im Umfeld zu analysieren.

Durchführung des Modellversuchs Übersicht
Inhaltliche Beschreibung und Beitrag des Vorhabens zum Programm
Kurzbeschreibung des Vorhabens
Innovativer Gehalt
Ziel und Begründung des Vorhabens
Geplante Arbeitsschritte und erwartete Ergebnisse
Begleitende Untersuchungsaspekte
Regionale Koordinierung und überregionale Kooperation
Wissenschaftliche Begleitung
 

Inhaltliche Beschreibung und Beitrag des Vorhabens zum Programm
Mit dem Modellversuchsvorhaben "Innovationstransfer in der Lernortkooperation", gilt es, Bedingungen für die Intensivierung und Verstetigung von Lernortkooperation zu schaffen. Diese Maßnahme ist als Einzelversuch konzipiert, was durch die Vielfalt der Berufsbereiche vertretbar ist. Jedoch ist eine Anbindung an bereits bestehende oder nachfolgende Modellversuchsvorhaben anderer Bundesländer durchaus möglich und denkbar.
  

Kurzbeschreibung des Vorhabens
Im Rahmen der innovativen Entwicklung der Lernortkooperation sollen institutionelle und personelle Bedingungen zur Vertiefung der Lernortkooperation analysiert und weiter entwickelt werden.
Dabei soll im Besonderen der Schwerpunkt auf Intensivierung und Verstetigung der Zusammenarbeit aller am Prozess Beteiligten gelegt werden. Somit ist der Modellversuch dem Maßnahmenbereich 5 des Modellversuchsprogramms zuzuordnen.
Geplant ist, im Rahmen des Modellversuchs in drei verschiedenen Lerngruppen unterschiedliche Facetten der Lernortkooperation zu erproben und verstetigen.  
·   Im Kraftfahrzeugmechaniker-Handwerk wird angestrebt, die organisatorischen und kulturellen Voraussetzungen innerhalb und außerhalb der Schule zu schaffen, um gemeinsam mit Handwerksbetrieben und dem überbetrieblichen Ausbildungszentrum Realprojekte vorzubereiten und an den unterschiedlichen Lernorten kooperativ durchzuführen.
·   In der Industriemechanikerausbildung soll in Kooperation mit einem Großunternehmen erprobt und evaluiert werden, wie der Einsatz multimedialer Informations- und Kommunikationssysteme selbstorganisierte und lernortübergreifende Lernprozesse stützen kann.
·   Die Erfahrungen mit diesem Instrumentarium, das zu einer Verstetigung beitragen kann, soll innerhalb des Modellversuchs auf die Ausbildung in den IT-Berufen transferiert werden. Hinsichtlich der Ausbildung von Fachinformatikern soll darüber hinaus erprobt werden, wie Lernortkooperation in einem Beruf gestaltet werden kann, der durch berufsfeldübergreifende, ganzheitliche, geschäftprozessorientierte Qualifikationsprofile gekennzeichnet ist.  Die unterschiedlichen Aktivitäten sollen durch eine im Rahmen des Modellversuchs an der Berufsschule zu errichtende Lernortkooperationsstelle zusammengeführt und abgestimmt werden. Diese Stelle hat die Aufgabe, den Dialog zwischen Schule und Betrieben zu koordinieren, die Lernortkooperationsergebnisse zu verbreiten und die Lernortkooperation langfristig strukturell abzusichern. 

Der innovative Gehalt des Vorhabens liegt:
·   im Versuch einer dauerhaften, wiederholbaren Einbindung durch inhaltlich und zeitlich abgestimmte kooperative Zusammenarbeit aller an der Ausbildung beteiligten Partner, die durch didaktische Kooperationen nicht nur die fachliche, sondern auch durch Erziehung zum selbstorganisierten Lernen die Methoden- und Sozialkompetenz fördern. Damit wird die Entwicklung neuer didaktischer Prozesse in einer kooperationsfreundlichen Infrastruktur initiiert. Ein kontinuierlicher Austausch auf Leitungs- und Ausführungsebene begleitet das Vorhaben.
·   in der kooperativen Entwicklung und Erarbeitung von prozessbezogenen und leistungsbezogenen Beurteilungs- und Bewertungskriterien, durch die Handlungskompetenz und die Eigenverantwortlichkeit verstärkt werden sollen. Dazu gehört auch die Erarbeitung entsprechender Verfahrensweisen.
·   gemeinsame Schulung, Weiterbildung und Erfahrungsaustausch von Lehrkräften der beruflichen Schule und Mitarbeitern des Unternehmens sowie Ausbildern (besonders bei den IT-Berufen).
·   Aufbau und Installation einer ständigen Lernortkooperationsstelle zur Förderung des regionalen Berufsbildungsdialogs.

Ziel und Begründung des Vorhabens
Durch Vertiefung der bestehenden Lernortkooperation und durch den Aufbau einer Lernortkooperation im Kraftfahrzeugmechanikerbereich soll die Effektivität und Qualität der Berufsausbildung gesteigert werden. Durch die Bildung einer Lernortkooperationsstelle wird es anderen Schulen und Betrieben möglich sein, sich beraten zu lassen und sich an den Wegen und Ergebnissen zu orientieren. Damit wird eine breite Informationsbasis geschaffen, die im Internet zugänglich sein wird und ständig aktualisiert wird. Ergebnisse sollen zudem in der Weiterbildung der Lehrer einfließen.
 

Geplante Arbeitsschritte und erwartete Ergebnisse
Das Vorhaben verlangt in der Anfangsphase die Prüfung und Schaffung organisatorischer Bedingungen zur Realisierung von Kooperationsbeziehungen: 

Intern:     Information aller Lehrkräfte
              Einbindung geeigneter Lehrkräfte in die Arbeit am Modellversuch
              Einrichtung von regelmäßigen Konferenzen der am Modellvorhaben beteiligten Lehrkräfte
 Extern     

Kontaktaufnahme mit Betrieben und außerschulischen Institutionen
              Informationsveranstaltungen
              Bildung von Arbeitsgruppen
              Einbeziehung aller an der Ausbildung Beteiligten
              Definition der Zielvorstellungen
              Planung und Errichtung der Kooperationsstelle
 

Durchführungsphase  
·   Strukturierung de Ausbildungsinhalte, Abstimmung projektartiger Themenkomplexe
·   Berücksichtigung der Kunden-Betrieb-Beziehung bei der Auswahl der Projekte  

Begleitende Untersuchungsaspekte
Die wissenschaftliche Begleitung berät die Modellversuchsbeteiligten und fördert die Prozesse der konkreten Vereinbarung und Operrationalisierung der Modellversuchsziele. Sie unterstützt die Planung, Durchführung und Evaluation von Modellversuchsmaßnahmen und strebt eine intensive Zusammenarbeit aller Modellversuchsbeteiligten an.
Des weiteren wird der Modellversuchsverlauf umfassend dokumentiert. Die wissenschaftliche Begleitung initiiert bzw. moderiert Konferenzen und Arbeitsgruppen und leistet Unterstützungshilfen zur Kontaktaufnahme mit Betrieben und außerschulischen Institutionen. Das leitende Interesse der wissenschaftlichen Begleitung soll darauf gerichtet sein zu analysieren, welche institutionellen, personellen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen zur Verstetigung und systematischen Planung, Initiierung bzw. Intensivierung von Kooperationsaktivitäten zu berücksichtigen sind.
Weitere Zielsetzungen der wissenschaftlichen Begleitung sind, reale Arbeitsanforderungen stärker in die Gestaltung von Aus- und Weiterbildung zu integrieren und eine Kooperationsstelle als Bindeglied zwischen den Lernorten Berufsschule, Ausbildungsbetrieb und weiteren Kooperationspartnern zu installieren.
Im Modellversuch sollen teamorientierte Arbeitsstrukturen innerhalb des Lehrerkollegiums gefördert werden, die zur innovativen Gestaltung organisatorischer und kultureller Voraussetzungen beitragen und die Realisierung erfolgreicher Lernortkooperationen im Kraftfahrzeugmechaniker-Handwerk gewährleisten.
Die wissenschaftliche Begleitung wird untersuchen, wie Lehrer/-innen und Ausbilder/-innen gemeinsam handlungs- und transferorientierte Lehr- und Lernprozesse in Schule und Betrieb gestalten und realisieren können.
Nach einer gemeinsamen Analyse konkreter Arbeitssituationen und dem Entwickeln und Erproben realer Lernaufträge aus den Betrieben sollen Ausbildungsformen geschaffen werden, mit denen die Auszubildenden ihre Arbeit selbst bewerten können.
Bei dem Erarbeiten eines Qualitätssicherungskatalogs werden Standards zur Evaluierung und Verbesserung schulischer und betrieblicher Ausbildung zu vereinbaren sein.

Regionale Koordinierung und überregionale Kooperation
Die regionale und überregionale Federführung übernimmt das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, die überregionale Koordination gegenüber der BLK übernimmt das Land Baden-Württemberg. 

Wissenschaftliche Begleitung
Prof. Dr. Günter Pätzold
Lehrstuhl für Berufspädagogik
Universität Dortmund
Fachbereich 12
Emil-Figge-Str. 50
44221 Dortmund
Tel.:  0231 755-6229
Fax.: 0231 755-5354
 

(download Abschlussbericht als pdf)

 
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